Ilona Maria Hilliges


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Rezepte und Rituale

Afrikanische Liebesmagie

Das graue Gewand des Alltags abstreifen, die Wärme Afrikas spüren, seine reiche Gefühlswelt nachempfinden, um sich Schritt für Schritt verführen zu lassen, von der vielbeschworenen Magie des Schwarzen Kontinents. Einer postiven Magie, die aus der Natur herrührt, Geister, Göttinnen und Götter verehrt und zugleich tief im afrikanischen Alltag verwurzelt ist.
Das Buch zeigt uns kopflastigen Europäern, wie wir zu unserer eigenen Mitte und zum erotischen Genuss finden können. Eingerahmt von Erlebnissen ihrer Jahre in Nigeria und humorvoll bereichert mit westafrikanischen Anekdoten stellt Ilona Maria Hilliges praktische Tipps vor:

Wie man vorgeht beim Bau von Fetischen, Amuletten oder einer Seelenpuppe.
Erotische Rituale, die das Leben und die Beziehung zu einem Partner verschönern und bereichern - Düfte, Öle, Räucherungen.
Verführerische Schönheitstipps, die eine Frau zur Königin machen.
Ausgefallene afrikanische Kochrezepte zum Nachkochen.
Wie Frau ihre persönliche Göttin findet und sich in ihren Schutz stellt.
Die Bedeutung der Kraft der Elemente.
Afrikanische Begriffe aus Magie und Alltag, Afrikanische Pflanzen und Mittel für die Liebe.

2000 bei dtv. 158 Seiten,
vergriffen

Restexemplare hier

Eine Ausgabe als E-Book ist in Vorbereitung.

Pressestimmen

Frankfurter Rundschau, 31.1.01: "Trotz des Titels ist das Buch kein reines Werk für Esoteriker: Die Autorin besitzt eine sehr umfassende Kenntnis der Sitten und religiösen Bräuche. Göttinnen wie Oja oder Oshun haben oft erstaunliche Ähnlichkeiten mit Göttern der alten Griechen und Römer, nicht selten erinnern die vielen Geister mit ihren unterschiedlichen Funktionen auch an die Heiligen und Schutzpatrone der katholischen Kirche. Selbst erlebte Abenteuer und einheimische Anekdoten, aphrodisierende Kochrezepte und exotische Schönheitsanleitungen - alles wird leicht und einfühlsam geschildert. Aber auch die tiefe Kluft zwischen europäischem und afrikanischem Denken wird nicht ausgespart. Abendländische Überheblichkeit jedenfalls kann man der Verfasserin wahrlich nicht vorwerfen."

Evangelischer Pressedienst (epd), 2001: "Selbst wenn der afrikaerfahrere Leser zu Beginn mit Skepsis an das Buch herangeht, wird auch er bald feststellen: Hier wird Alltagswissen sehr anschaulich vermittelt. Man könnte die Darstellung vielleicht als zu wenig wissenschaftlich bezeichnen, doch diese Welt der Liebesmagie folgt eher den Gesetzen des Paradoxons."

Leseprobe
© Ilona Maria Hilliges

... "Einen Fetisch muss man pflegen, damit er einem zu Diensten ist", brüllte Yemi gegen das Unwetter an. Ich hörte ihr nicht richtig zu. Ich sah die Kinder. Sie standen dicht neben dem ausblutenden Ziegenbock, lachten und freuten sich. Die Ziege wurde weggeschafft, um später unter den Feiernden als leckere Speise verteilt zu werden. Die Kinder wanden ihre Aufmerksamkeit der Gratisdusche des Himmels zu, suhlten sich im Matsch und ließen sich den Dreck wieder vom Körper spülen.
An diesem Tag war eine Rückkehr nach Lagos undenkbar. Am nächsten Morgen fuhren wir durch die dampfende Landschaft zurück, die satter und grüner als jemals im klaren Sonnenlicht strahlte. "Wusstest du eigentlich, dass die Yoruba eine 30 mal höhere Geburtsrate an Zwillingen haben als der Rest der nigerianischen Bevölkerung?", fragte mich Hebammme Yemi.
"Aber so viele Gewitter gibt es doch gar nicht", scherzte ich.
"Ein Opferfest zu Ehren Shangos ist bei Gewitter wirkungsvoller, denn dann schenkt Shango seine überschäumende Energie dem Vorhaben der Menschen um so eher", erklärte Yemi. "Es geht natürlich auch ohne Blitz und Donner. Wichtig ist, dass der Priester seine Fetische pflegt und verehrt. Und zwar so, als ob es wirklich lebende Wesen wären." Yemi erklärte mir, dass nicht nur Priester Fetische benutzen, sondern dass jeder sich seinen eigenen Fetisch anfertigen kann. Oder man kauft ihn. Beispielsweise auf dem großen Markt von Lagos. In einer der Markthallen, etwas versteckt platziert, unter einer großen Plane, fand ich einen solchen Stand. Spektakulär sind natürlich die Schädel von Tieren wie Schlange, Krokodil oder Hund, die an solchen Ständen feilgeboten werden. Und natürlich auch teuer.
Es geht aber auch günstiger und ist weniger gefühlsbelastet, wenn man zu kleinen mit Kräutern gefüllten Säckchen greift. Auch Amulette, wie jenes, das John mir einst verehrte, zählen nämlich zu den Fetischen. Die Verwendung bestimmter Tierteile ist angeblich wirkungsvoller als die von Pflanzen und unterliegt - alles ist in der Natur miteinander verbunden - einem exakt festgelegten Prinzip. Ein Medizinmann kann herausfinden, welches Tier einem entspricht. Ist es der Büffel, so borgt man sich dessen Stärke durch ein Stück seines Knochens. Es wird poliert bis es glänzt und kann mit einem schmalen Lederband um den Hals getragen werden. Auf den ersten Blick wirkt solch ein kleines Amulett wie ein Stein aus Tigerauge. Ein Stück Büffelleder, auf dem der Zahn eines Krokodils aufgeklebt ist, kombiniert die Stärke des Wiederkäuers mit dem geduldigen Jagdinstinkt der Echse.
"Und das wirkt?", fragte ich Yemi.
"Die Yoruba sagen, dass es mit dem Fetisch wie mit einer Ohrfeige im Dunkeln ist. Du siehst nichts, aber du merkst etwas", meinte Yemi vielsagend. Reflexartig griff ich an meine Wange. Ich glaubte den Schmerz wieder zu spüren, den eine deftige Watsch'n verursacht hatte, die mir mein Vater Jahrzehnte zuvor gegeben hatte. Menschen, die sich zu geheimen Bünden zusammenschließen, besiegeln ihre Vereinigung unter Umständen mit einem Vorhängeschloss. Es wird mit einem oder mehreren kleinen Stücken Tierfell (die Auswahl wird von einem zu Rate gezogenen Priester bestimmt) beklebt und in einer Zeremonie an einem heiligen Ort vergraben, z. B. einem Baum, dem nachgesagt wird, dass in ihm Geister oder orishas wohnen. Mir wurde aber auch von Fetisch-Besen berichtet, die in Bäumen aufgehängt werden: Angeblich fühlt sich ein Einbrecher von solch einem Fetisch gezwungen, ihn solange zum Reinemachen des Hofs zu schwingen, bis der Hausherr zurückkehrt. Jene, die überzeugt sind, dass die im Baum wohnenden Geister dabei ihre schützenden Hände im Spiel haben, schenken dieser Story bereitwillig Glauben.
Es gibt eine Unmenge von Liebesfetischen, die sich die Frauen Afrikas selber basteln. Anders geht es auch gar nicht, denn solch ein Fetisch - egal ob klein oder groß - wirkt nur, wenn er körperliche Bestandteile von möglichst beiden Liebenden enthält. Mila, die in diesen Dingen bewanderte Beraterin aus Lagos, sagte mir, dass Schamhaare einer der Grundbestandteile eines Liebes-Fetischs sind, den sie ihren Kundinnen empfiehlt zu basteln. Von wegen: schnipp, schnapp, ein paar Kräuter dazu, ab ins Säckchen und auf heiße Nächte hoffen! Zunächst einmal muss sie sich darüber im Klaren sein, was sie von ihm will: Heißen Sex oder ewige Treue? Gar beides?
Da runzelte Mila die Stirn! "Versuchen wir es erstmal mit heißen Sex; die Treue kommt dann schon. Und wenn nicht, dann musst du eben noch mal zu mir kommen, sister!" Mila ist durchaus geschäftstüchtig - wie die meisten Leute ihres Fachs. Geheimwissen ist schließlich fast unbezahlbar. Nicht nur in Lagos.
Mila empfahl folgendes Vorgehen: Sollte er nach einer heißen Nacht auf und davon sein, untersucht sie die Schlafstatt, sammelt mit spitzen Fingern alle Schamhaare ein. "Nun brauchst du ein kleines Stück von der Alraunwurzel und eine kleine Chili-Schote. Ich habe welche da, willst du etwas?"
Ich verneinte.
Mila schnalzte missbilligend mit der Zunge und fuhr fort: "Okay, du musst warten bis Neumond ist. Die Erdstrahlung ist dann besonders intensiv. Eine pechschwarze Nacht, geh nach draußen, setz dich so, dass dein Körper nach Westen ausgerichtet ist. Nimm eine rote Kerze, ein Stofftuch und die anderen drei Dinge. Bevor du die Kerze anzündest, bestreichst du sie vorsichtig mit der Chili-Schote von unten nach oben. Aber pass bei der Chili auf, sie darf nicht an die Schleimhäute, tut furchtbar weh! Stell die Kerze sorgfältig auf, zieh dein Höschen aus. Jetzt denk an euer letztes Abenteuer, ganz intensiv. Befeuchte das Taschentuch mit Scheidensekret, dann zupfst du dir ein paar Schamhaare aus, gerade so viele wie du von deinem darling hast. Verbrenn jetzt ein paar von den Haaren, lass sie ins weiche Wachs der Kerze fallen. Dabei sagst du, was dir in den Kopf kommt. Liebe mich heiß und innig - was immer du willst. Die übrigen Haare legst du sorgsam ins Tuch. Jetzt lösch die Kerze."
Mila grinste: "Du brauchst unter Umständen eine zweite Kerze, damit du siehst, was du tust, okay? Also weiter: Im Kerzenwachs sind eure angekokelten Schamhaare gefangen. Je mehr davon, umso leidenschaftlicher eure Nächte. Wenn das Wachs noch etwas weich ist, pulst du es ganz vorsichtig ab, legst es zu dem kleinen Stück der Alraunwurzel, den unverbrannten Haaren und der Chili-Schote ins Tuch. Jetzt spuckst du drauf. Das ist wichtig wegen der Verbindung, die dein übriger Körper mit dem Fetisch eingehen soll. Jetzt verknotest du das Tuch. Steh auf, verbeuge dich in alle vier Himmelsrichtungen. Du kennst deine Göttin? Das solltest du, denn du musst ihr in der gleichen Nacht ein hübsches Opfer bringen. Was Süßes wäre nicht falsch. Und dann bittest du sie, dein Vorhaben zu unterstützen."
"Und was mache ich mit dem Tuch?"
"Sister, wo kann man so was schon hintun? Ins Bett! Ist doch klar! Darum soll dein Fetisch nicht zu groß sein, dein darling darf ihn nicht bemerken."
"Du bist sicher, dass es wirkt?"
Mila schnalzte mit der Zunge, wie sie es immer tat, wenn ich eine besonders dumme Frage gestellt hatte: "Wenn du dich hinlegst wie ein Stück abgehangenes Fleisch, funktioniert keine Magie der Welt! Mach`s ihm schön. Brauchst du noch irgendwas zum Räuchern der Haare? Sandelholz, Weihrauch, Zimt? Ich habe alles da. Koch was Leckeres, zieh dich hübsch an. Und vor allem nicht zu schnell aus, sister! Ich habe hier noch ein paar kleine Perlen da, bastle dir eine Hüftkette draus. Männer mögen das, du weißt doch, dass sie alle nur große Jungs sind, die was zum Spielen brauchen. Also gib ihnen was. Und dann, sister, werdet ihr eine Menge Spaß miteinander haben!" Mila hielt mir ihre große, fleischige Hand hin. Denn meine Beraterin steht auf eine ganz besondere Art von Erotik - das Knistern von Geldscheinen in ihrer Hand...


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