Ilona Maria Hilliges


Direkt zum Seiteninhalt

Mein Leben in Nigeria

Die weiße Hexe

Liebe, Mystik und Magie in Afrika

Ilona ist 19, als sie während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München den Nigerianer John kennen lernt. Sie heiratet ihn in Toronto und bekommt in London zwei Kinder von ihm. Aber sie lebt schon in Scheidung, als sie das erste Mal nach Afrika fliegt. Denn in Lagos soll Ilona einen völlig verunglückten Handel mit Gebrauchtwagen retten. Steht sie anfangs noch unter dem Schutz eines einflussreichen Clanchefs, entzieht ihr dieser bald sein Vertrauen, und sie ist in der fremden Kultur auf sich gestellt. Denn John hat andere Sorgen: Sein Bruder wurde von seiner eigenen Frau angeblich verhext. John versucht mit Hilfe verschiedener Medizinmänner diesen Fluch aufzuheben.
Nachdem sie bei ihrem ersten Anlauf in Nigeria gescheitert ist, bleibt Ilona auf einem Berg Schulden sitzen. Um sie zu tilgen, lässt sie sich auf das Angebot ein, in Lagos das Finanzcontrolling bei einem internationalen Konzern zu übernehmen. Und lernt die korrupte Welt der Weißen kennen, die nur aus zwei Gründen in Lagos leben - wegen Geld oder Sex. Oder wegen beidem.
Doch Ilona trifft auch einen Mann wieder, den sie nur flüchtig kannte: Victor entstammt einem vermögenden Clan aus dem Nigerdelta. Nach einer Zeit der Unbeschwertheit, in der Ilona an Victors Seite die faszinierende Schönheit Nigerias erleben kann, wird das Paar von der Wirklichkeit eingeholt: Ein Onkel verwendet schwarze Magie, um Victor nach dem Leben zu trachten. Doch Ilona wurde in die Mystik eingeweiht und versucht, diesen Mann mit dessen eigenen Waffen zu schlagen ...


Die Originalausgabe erschien im Mai 2000 als Taschenbuch bei Ullstein,
334 Seiten mit Fotos
Restexemplare können Sie hier bestellen

Sofort und unkompliziert als eBook bei Amazon bestellen

Pressestimmen

The African Courier, Februar/März 2001: "Die weiße Hexe is well written and never boring. Once the reader immerses him- or herself into a world that seems 'unreal' at times, Ilona Maria Hilliges' story is one that won't let you go easily. .... Ilona Maria Hilliges' book provides an intersting, exciting read for Europeans and Africans alike. And, although Nigeria is portayed through the eyes of a young white German woman, her account offers a lot of information and insights into Nigerian society and culture - from patriarchal structures to the power of spiritual connection. And despite the fact that Ilona Maria Hilliges lost the one big love in her life, she never lost her love for Africa."

Frau im Leben, Februar 2001: "Neue Lebenswege beschreiten, dramatische Momente erleben, große Gefühle auskosten und beherzt Ungewöhnliches wagen. ... Für Ilona Maria Hilliges war Afrika ein Erlebnis, das ihr viel abforderte, aber auch viel zurückgab. ... Eine Geschichte, die das Leben schrieb - wer kann da schon aufhören zu lesen? Bücher wie dieses sind wunderbar, um an einem kalten Winterabend in eine fremde Welt einzutauchen und die Träume zu teilen von einer faszinierenden Welt. Denn Afrika, das bedeutet Extreme - ja oder nein, schwarz oder weiß, Länder, in denen Leben und Tod Hand in Hand gehen. Ein Kontinent, der seinen Bewohnern viel abverlangt, sie aber auch mit atemberaubenden Landschaften und überbordender Lebensfreude entschädigt. Sein Zauber nimmt jeden gefangen, der jemals dort war und weckt im Europa der Vernunft längst vergessene Sehnsüchte."

Brigitte: "Ilona Maria Hilliges erzählt von der spirituellen Kraft der Afrikaner, die die europäischen Reisenden aus dem Korsett ihrer abendländische Moral befreit. Die Welt der Zivilisation ist hier so weit weg wie der Mond von der Erde."

Africa live, August/September 2000: "Ilona Maria Hilliges hat ein beachtenswertes Buch geschrieben, geprägt von Liebe und Begeisterung für die afrikanische Kultur, aber auch von der Konfrontation mit den Realitäten des Lebens in Nigeria."

Lea, August 2000: "So lebendig und nah geschrieben, dass man das Gebrüll der Affen und Zirpen von Grillen zu hören meint! Ilona Maria Hilliges stellt das Leben in Afrika auf harte Probe, hält aber auch viel Schönes bereit."

Saarbrückener Zeitung, 10. August 2000: "Ilona Maria Hilliges mischt in Die weiße Hexe selbst Erlebtes mit der spirituellen Seite des Lebens in Lagos und einem Land, dessen Modernität schon hinter ihm zu liegen scheint. Ilona Maria Hillges schlägt sich dabei u. a. mit einem konspirativen Frauen-Ritual-Kult durch. Heute lebt sie in Berlin und kann spannend über diese Zeit berichten."

TOP Berlin International, Heft Nr. 7, Juli 2000: "Die Stärke des Buches liegt darin, dass es Hilliges gelingt, die Widersprüche dieses Landes Nigeria anhand konkreter menschlicher Schicksale vor Augen zu führen. ... Der schonungslose Realismus dieser Erinnerungen ist bemerkenswert."

Leseprobe

© by Ilona Maria Hilliges

... Autos sind zum Fahren da. Und die Beziehung zu einem Mann setzt Vertrauen voraus. Das ist meine Überzeugung bis heute. Obwohl ich gegen beide Ansichten verstieß, war im März 1981 klar: Ich fliege nach Nigeria, um die Sache ins Lot zu bringen. Denn ich habe noch eine andere Überzeugung: Ich lasse niemanden im Stich. Meinen Vater, so gespannt das Verhältnis zu ihm auch war, erst recht nicht.
Aber Papa hatte seinen eigenen Dickkopf: "Ilona, du fährst nicht allein nach Afrika! Es geht schließlich um mein Geld, das John da unten aus dem Fenster schmeißt. Ich komme mit."
"Vater, du sprichst kein Wort englisch!" mahnte ich vergebens.
Zum verabredeten Zeitpunkt hatte John brav angerufen, ich ihm gesagt, dass wir kommen und wann er uns abholen solle.
Sagt John: "Oh, gut, daß ihr kommt. Bringt ein paar Kleinigkeiten mit, um Freunde zu machen." Stickereistoffe und Nippes wären optimal.
Kleinigkeiten? Ein schwerer Ballen goldenen Brokatstoffes sowie zwei riesige Stoffballen mit österreichischer Stickerei. Mein Vater fuhr extra 300 Kilometer nach Dornbirn in Österreich. Er wollte sich ja nicht lumpen lassen. Das besonders sinnvolle Motiv der Stickerei: Mercedes-Sterne. Laut John der letzte Schrei auf dem nigerianischen Modemarkt. Am nächsten Tag brachte Quelle noch ein gigantisches Paket voller güldenem Krimskrams: Aschenbecher, Vasen, Tellerchen, Kerzenleuchter. Ein Flohmarkt für den Afrika-Export.
Diesmal nahm ich den Kredit auf. 15.000 Mark. 10.000 für die Autos, 5.000 kosteten die Lufthansa-Flüge. Wir mussten Business Class nehmen. Auf Plätze in der billigeren Touristenklasse hätten wir wochenlang gewartet. Mein Vater war auch nicht der Typ, der auf Billigticket reist. Er war ein Mann von ein Meter achtzig und wog damals 125 Kilo. Kein Leichtgewicht eben. Sondern ein Mann mit Einlegesohlen in den Gesundheitsschuhen, wollenem Trachtenanzug, tja, und Filzhut mit Gamsbart. Er wollte ja was hermachen. Um einen Kredit bei einer oberbayerischen Bank zu ergattern, vielleicht der richtige Aufzug. Doch so stieg er auch ins Flugzeug nach Afrika.
Der Lufthansa-Flieger wurde weit draußen in Lagos auf dem Rollfeld des Murtala Mohammed-Airport abgestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt war es mir egal gewesen, ob ich in Island oder Sibirien Vaters undurchdachte Geschäfte hätte retten sollen. Ich bin nicht nach Afrika geflogen, um Abenteuer zu erleben oder mir den Duft der großen weiten Welt um die Nase wehen zu lassen: Ich war eine Frau von 27 Jahren, auf die zuhause zwei kleine Kinder und ein Berg Schulden warteten. Trotzdem vollzog sich schon in diesen ersten Minuten, während wir an der geöffneten Tür dicht gedrängt warteten und schwitzten, eine unerklärliche Veränderung in mir. Die süßlich aromatische Luft, der der Geruch von Kerosin beigemengt war, strömte in die Kabine. Ein geradezu stimulierend aufregender Duft, der meinen Puls beschleunigte. Es war dieser unbekannte Geruch, der mir die Dimension meiner Reise ins Ungewisse klar machte. Dies war Afrika!
Papa steckte meine Erregung keineswegs an, er blieb in Mantel und Hut. Es dauerte keine zwei Minuten, bis mein übergewichtiger Vater schweißgebadet war. Ich glaube, es war Papas grauer Filzhut, der mir als erstes klarmachte, dass in Afrika alles so unvorstellbar anders war: An der Passkontrolle, wollte Papa ihn wieder aufsetzen, um nach seinem Pass zu angeln. Doch durch die feuchtwarme Hitze war das graue Filzding gleich um zwei Nummern eingelaufen. Papa wirkte wie der Aushilfs-Clown vom Zirkus Bavaria. Trotzig behielt er sein geschrumpftes bairisches Stammessymbol auf dem schweißnassen Kopf. Wir befanden uns in einer Schlange von Menschen, die sich langsam auf den Einreisebeamten zu bewegte. Ich, meine überflüssige Garderobe über dem Arm, in jeder Hand eine große Tasche. Mein Vater - mit Anzug, Mantel und Hut und links der große Koffer. Drin nur das güldene Nippeszeug, obenauf ein paar Hemden und Krawatten. Rechts sein schöner Aktenkoffer, auf den er so stolz war, weil sich der beim Öffnen so toll auseinanderfächerte. Ich hielt meinen Pass und meinen Impfpass parat.
"Papa, hast du deine Pässe?"
Statt einer Antwort - mit der Geste großer Männer - nun der Griff in die linke Brusttasche des Anzugs. Voilà, der Pass. Er runzelte die Stirn, hielt den Pass mit den Zähnen fest, fühlte - schon wesentlich unsicherer - noch mal nach. Fehlanzeige. Kein Impfpass.
Ich sagte nichts. Ich wusste, dass man uns ohne Impfpass nicht ins Land lassen würde.
Wir passierten anstandslos den Einreisebeamten, schoben uns zum Gesundheitsbeamten weiter. Vater tastete in den anderen Sakko- und Manteltaschen. Dann blieb er stehen. Mitten in der von hinten nachdrängenden Menschenmenge.
"Ist bestimmt im Aktenkoffer“, sagte er. Drehte an den Zahlencodes des Koffers, ließ die Verschlüsse schnappen. Peng, irgendeiner rempelte prompt von hinten. Der Koffer klappte auf, die fein säuberlich geordneten Dokumente purzelten wild durcheinander auf den Boden.
Armer Mann, dem muss geholfen werden! Zwanzig Hände griffen. Vaters Hut kullerte, der Schweiß tropfte. Wir rafften das ganze Papierzeugs schnellstens zusammen, bevor es jemand mit der Hilfe übertreiben konnte. Durch diese Radikalinventur des Kofferinhalts wurde bestens klargestellt: der gesuchte Impfpass hatte die Afrikareise verpasst.
"Ich glaube, der liegt zuhause auf dem Bett. Der war doch in dem großen Koffer. Und dann habe ich den noch mal umgepackt." Nun wusste er`s wieder.
Der Gesundheits-Beamte fertigte mich ab. Man sah es ihm richtig an, wie er sich auf den korpulenten reichen Weißen freute, der nichts vorzuweisen hatte.
Es dauerte keine fünf Minuten und Vater hatte weniger zu tragen. Ein vergessener Impfpass? Macht einen halben Kofferinhalt voll vergoldetem Quelle-Nippeszeugs, das unter dem riesigen Tresen des hilfreichen Beamten verschwand. Hat halt alles seinen Preis.
Wir holten die Koffer vom Gepäckband. Lauter freundliche Nigerianer boten ihre Hilfe an. Danke, danke, garnicht nötig! Papa schwitzte. Wenigstens von seinem Schrumpf-Hut trennte er sich endlich. Der war auch sofort verschwunden. Hat sich noch am gleichen Abend ein Sechsjähriger drüber gefreut - so klein war das Filz-Gamsbart-Hütchen inzwischen.
Also ab zum Zoll: In den vielen großen Koffern ist wirklich nur Privates? Aufmachen!
Mit zwei großen Ballen österreichischer Stickerei waren wir angekommen. Nach dem Zoll war es nur noch einer. Für den anderen und den dicken Brokatstoffballen mussten wir trotzdem Zoll zahlen. Natürlich ohne Quittung!
Ich erkannte John erst auf den zweiten Blick. Keine weiten Schlaghosen, kein Hemd aus falscher Seide. Nein, das war ein Herr aus Afrika. Mit seinem dreiviertellangen, bunten Hemd und dazu passender Hose strahlte er Würde und Selbstbewusstsein aus, verteilte Nairas an Helfer, die die Koffer zum Parkplatz schleppten. Sogar mein Vater war von diesem Auftritt beeindruckt. Leider hielt sein Respekt genau so lange, bis John unsere Karawane vor dem Auto anhielt, das zu unserem Transport vorgesehen war. Vater sah sich um, ob vielleicht noch ein weiterer Wagen eingeplant war. Irrtum. Der da war`s: ein babyblauer VW Käfer. Nicht unbedingt das richtige Beförderungsmittel für Vaters zweieinhalb Zentner, die großen Koffer. Ach ja, und mich. Wenigstens fehlte der Beifahrersitz. Fürs Gepäck. Wir kamen nach hinten. Dann die großen Koffer nach vorn. Ich zog ängstlich den Kopf immer tiefer zwischen den Schultern ein und spähte sorgenvoll an den Koffern vorbei nach draußen, während John sich unerschrocken seinen Weg durch das nächtliche Chaos aus rasenden gelben Riesenbussen, überladenen Minibussen und stinkenden Lastwagen bahnte. Alles, was an Fenstern zu öffnen war, stand offen: Viel war das nicht - alte Käfer hatten nun mal hinten keine Fenster, die man öffnen kann. Ich schwitzte mit Vater um die Wette, die Klamotten klebten, der Kopf brummte. So heiß konnte es doch nicht mal in Afrika sein! Hier stimmte irgendwas nicht! Dieser Gestank!
"John, machst du bitte die Heizung aus? Es ist verdammt heiß in dem Wagen."
Die Autos, die an uns vorbeifuhren, hupten alle. Ich warf einen Blick nach hinten aus dem Fenster. Hinter uns war Nebel. Nebel? Quatsch! Das war Qualm! Und der Gestank - das war nicht Afrika. Das war Wolfsburg!
"John, halt an, das Auto brennt!"
Naja, ich hätte vielleicht nicht so brüllen sollen. John verriss das Lenkrad, der Käfer schlingerte, Vater knallte mit dem Kopf gegen meinen Kopf. Lautes Gehupe, Bremsen quietschten.
Irgendwann stand der Wagen auf dem Seitenstreifen der Autobahn. Raus, nichts wie raus. Vorne die ganzen Koffer. Schwere Dinger, John mühte sich. Und das dauerte. Dann versuchte Papa rauszukrabbeln. Ich schob und drückte von hinten, John zerrte von vorn. Schließlich standen wir auf der Straße. Gestrandete in der Nacht, inmitten ihrer Habseligkeiten.
Erstaunlicherweise hatte John urplötzlich einen Feuerlöscher zur Hand, krabbelte in den Wagen hinein, es qualmte und zischte. John tauchte hustend und prustend aus dem Auto auf. Er schmiss das durchgekokelte Sitzpolster auf die Straße und murmelte irgendwas von durchgeschmorter Batterie.
Bevor wir uns versahen, fuchtelte John mit den Armen in der Luft rum, ein Taxi hielt (geht dort - trotz Autobahn), John rief: "Passt aufs Gepäck auf" - und war verschwunden. ...


Brainstorm Berlin | peter@apls.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü