Ilona Maria Hilliges


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Inhalt

Die kleine Göttin

In Afrika findet Victoria zu sich selbst

Immer wieder hat Victoria diesen Traum von Afrika: Ein Mann und eine Frau besteigen einen Berg und stehen an einem Abgrund, in dessen Tiefe der Tod lauert. Aber Victoria versteht ihren Traum nicht, denn sie kennt das Paar nicht, und in Afrika war sie noch nie. Nach dem Tod ihrer Mutter räumt sie den Speicher auf und findet, was sie nie gesucht hatte: Ein Fotoalbum und eine viele tausend Jahre alte Tonfigur führen sie auf die Spur eines Familiengeheimnisses, das mit ihrem seltsamen Traum zusammenhängt. Ein neuer Mann in ihrem Leben ermutigt Victoria, sich der Vergangenheit zu stellen. Die Sache hat nur einen Haken: Victoria muss dazu nach Nigeria reisen, in ein Land, das ihr unheimlich ist. Dort könnte eine verschollene Tante leben, die wohl ein paar seltsame Eigenarten hat. An einem Ort voller Mythen steht sie eines Tages dieser alten Frau gegenüber, die sie besser zu kennen scheint als Victoria sich selbst. Eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt sich, durch die Victoria lernt, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Die kleine Tonfigur vom Speicher spielt die entscheidende Rolle dabei, dass Victoria zu sich selbst findet ...

"Die kleine Göttin ist die Geschichte einer Frau, die weit reisen muss, um zu sich selbst zu finden. Dass ihr dies in Nigeria passiert, ist kein Zufall: Mit diesem Buch kehre ich zwölf Jahre nach Die weiße Hexe gewissermaßen zu meinen eigenen Anfängen als Autorin zurück." Ilona Maria Hilliges

Ilona Maria Hilliges
DIE KLEINE GÖTTIN, ein Afrikaroman
Verlag: Wunderlich, 352 Seiten, € 19.95
gebunden, mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN 9783805250054

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"Ich hatte ein schönes ruhiges Leben"

(K)ein Interview mit meiner Romanheldin Victoria

Als Treffpunkt für unser Interview schlägt Victoria Sommerberg einen kleinen Laden in Berlin vor. Das "Tiameh" liegt an einer belebten Einkaufsstraße und ist eine Mischung aus Teestube, Afrikashop und Buchgeschäft. Während ich zusehe, wie sie eine Kundin berät, stelle ich verwundert fest, dass sie jünger, schlanker und dynamischer wirkt, als ich sie in Erinnerung habe. Kein Wunder: Es ist eine Weile her, dass wir uns zuletzt gesehen haben. Gegenüber der Theke, an der ich Platz nehme, steht in einem Glasschrank eine wohl dreißig Zentimeter hohe Tonfigur, angestrahlt von Lampen. Victoria setzt sich neben mich, wir trinken Tee.

Ilona
(deutet auf die Figur): Ist sie das?

Victoria: Jeder, der hier reinkommt, fragt mich, ob das die kleine Göttin ist. Sorry, aber dazu darf ich nichts sagen.

Ilona: Warum?

Victoria: Ich habe früher selbst bei einer Versicherung gearbeitet. Darum weiß ich, dass es praktisch unbezahlbar ist, so etwas Seltenes gegen Diebstahl zu versichern.

Ilona: Also ist sie es?

Victoria: -
(grinst und legt den Zeigefinger auf ihre Lippen)

Ilona: Der Roman, in dem Du ... Entschuldigung: Ist es okay, wenn wir uns duzen?

Victoria: Im Prinzip kennen wir uns ja schon eine Weile. Da wird es Zeit, sich zu duzen. Und ich schätze, wir sind im selben Alter.

Ilona: Was ich fragen wollte: In meinem Roman "Die kleine Göttin" spielst Du die Hauptrolle. Aber Du stehst nicht so gern im Mittelpunkt, stimmt`s?

Victoria: Hatte ich eine Wahl?
(lacht) Aber im Ernst: Ich meine, ich hatte ein schönes ruhiges Leben. Und Du hast echt drauf rumgetrampelt. Am Anfang fand ich das wirklich nicht lustig, muss ich schon sagen.

Ilona: Ich will Dir ja nicht zu nahe treten, aber dein Leben war ganz schön langweilig.

Victoria: Nicht zu nahe treten? Das soll wohl ein Witz sein!
(lacht nicht) Was ist daran langweilig, wenn man bei einer Versicherung arbeitet, eine gute Ehe führt, eine Tochter groß zieht und sich um seine Mutter kümmert? Mir gefiel mein Leben!

Ilona: Mal unter uns: War es wirklich so toll?

Victoria: Im Nachhinein ist man immer schlauer.
(Verschränkt die Arme vor der Brust, ein Anflug von Lächeln schleicht sich in ihr Gesicht.) Du hast zwar auf meinem alten Leben rumgetrampelt, aber das neue, das Du mir verpasst hast, gefällt mir besser.

Ilona: Warum?

Victoria: Ich will`s mal mit den Worten von Moritz ausdrücken. Der sagte zu mir, als ich am Boden war: Wer was Neues macht, macht auch mal Fehler. Wer nur das Alte macht, macht immer nur die alten Fehler.

Ilona: Wir sollten erklären, wer Moritz ist.

Victoria: Eigentlich kennen wir uns schon unser halbes Leben lang, sind aber immer aneinander vorbeigelaufen. Das wäre wohl auch so geblieben, denn nach meiner Scheidung war das Thema Männer für mich eigentlich durch.

Ilona: Er war nicht direkt Dein Traummann?

Victoria:
(lacht) Nee, total die graue Maus. Aber das war ich wohl auch.

Ilona: Und Ihr beiden grauen Mäuse wolltet nach Afrika! Ganz schön mutig!

Victoria: Ich versteh sowieso nicht, wieso Du mich und Moritz zu Deinen Helden gemacht hast. Wir sind so was von überhaupt keine Helden.

Ilona: Eben darum! Ich war auch keine Heldin, als ich mich in Nigeria durchs Leben schlug.

Victoria: Du sprichst von Deiner Zeit als "Weiße Hexe"? Ich bin froh, dass meine Abenteuer nicht ganz so schlimm waren wie Deine!

Ilona: Aber Deine Zeit in Afrika hat Dich dennoch sehr verändert. Erzähl doch mal!

Victoria: Wo soll ich anfangen?! Ich war ja zuvor noch nie außerhalb von Europa. Da haben mich die Zustände in Nigeria anfangs ziemlich schockiert. Das ist schließlich kein Land für Touristen, aber ich hatte das Glück, dort eine Anlaufstelle zu haben. Meine Tante hat`s mir zwar anfangs nicht leicht gemacht, aber als sie mir dann gezeigt hat, wie ursprünglich das Land sein kann, da hat`s mich gepackt. Ich habe gemerkt, dass in mir so viel mehr steckt, als ich es selbst für möglich gehalten hatte.

Ilona: Deine Tante spielt in der Geschichte eine zentrale Rolle.

Victoria: Sie lebt seit Jahrzehnten in Nigeria, eigentlich ist sie eine Einheimische. Ich bewundere sie sehr, aber mehr sollte ich nicht verraten. Denn Deine Leser sollten Tante Theodora wirklich selbst kennen lernen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Nur so viel: Sie ist die ungewöhnlichste Tante, die man sich vorstellen kann. Das absolute schwärzeste Schaf in der Familie.

Ilona: Wenn ich sagen soll, wovon mein neuer Roman erzählt, antworte ich: Von einer Frau Anfang 50, die in Afrika zu sich selbst findet. Ist das richtig?

Victoria: Ach, das mit Anfang 50 kannst Du weglassen
(lacht). Afrika hat mich jünger gemacht.

Ilona: Und Moritz?

Victoria: Den habe ich jünger gemacht. Oder klingt das unbescheiden?

Ilona: Überhaupt nicht. Die Liebe macht jeden jünger.
(Gemeinsames Lachen)

Moritz kommt hinzu, grüßt kurz in meine Richtung und dreht ab.

Victoria: Er hat Dir noch immer nicht verziehen. Du hast ihm übel mitgespielt.

Ilona: Ich weiß, aber es musste sein. Es ist nun mal Deine Geschichte und nicht seine. Aber glaub mir: Ich mag ihn wirklich, er ist ein netter Kerl. Ihr passt zusammen.

Victoria:
(grinst) Du musst es ja wissen ...

Ilona: Letzte Frage: Warst du eigentlich noch mal boxen?

Victoria:
(verdreht die Augen) Das hättest Du wohl gern!

Ilona: -
(grinst und trinkt Tee)


Brainstorm Berlin | peter@apls.de

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